Schäfer Rebre: Der mit dem Wolf lebt


In Niedersachsen leben mittlerweile etwa 100 Wölfe. Einige Schäfer sind darüber nicht glücklich - sie fordern den gezielten Abschuss einzelner Tiere. Unterstützung erhalten die Tierhalter aus der Politik. Wie jüngst von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der angekündigt hatte, den Bestand auf ein "vernünftiges Maß" begrenzen zu wollen. Ganz anders sieht das Schäfer Thomas Rebre aus Amelinghausen (Landkreis Lüneburg). Er ist überzeugt, dass ein Miteinander von Wölfen und Schafen funktionieren kann.

Schäfer Rebre hat keine Angst vorm bösen Wolf



Schäfer Thomas Rebre vor seiner Herde. Seit 25 Jahren ist er Schäfer. Er hat noch keines seiner Tiere an den Wolf verloren und ist überzeugt, dass ein Miteinander möglich ist.

Mehr als 600 Heidschnucken und Ziegen gehören zur Herde von Thomas Rebre. In der Kronsbergheide bei Amelinghausen befindet sich sein Schafstall.

Der Schafstall ist umgeben von weitläufigen Heideflächen. Das Gebiet liegt im Territorium der Munsteraner Wölfe.

Mit starker Stromspannung versucht Schäfer Rebre, den Wolf in Schach zu halten.

Bislang geht es den Tieren des Schäfers Rebre gut. Kontakt mit einem Wolf hatten sie noch nicht.

Der Wolf gehört jetzt dazu

Seit 25 Jahren ist Rebre Schäfer. Aus Überzeugung und Leidenschaft, wie er sagt. Zu seiner Herde gehören mehr als 600 Heidschnucken und Ziegen. Er betreibt Landschaftspflege und sorgt dafür, dass die Heide als Kulturlandschaft erhalten bleibt. In drei Landkreisen ist Rebre mit seinen Tieren unterwegs, inmitten von Wolfsgebieten. Im Unterschied zu vielen anderen stellt er das Existenzrecht der Wölfe nicht in Frage. "Wir akzeptieren das als Normalität. Der Wolf ist jetzt da, fühlt sich hier wohl und wir stellen uns darauf ein", sagt er. Rebre versucht mit dem Wolf zu leben - im Guten, wie er betont. Offenbar mit Erfolg. Seit gut fünf Jahren sind die Wölfe in Niedersachsen wieder heimisch. Rebre hat noch nicht eine Ziege, nicht eine Schnucke an den Wolf verloren.
Bereit, mehr Arbeit zu leisten

Dennoch sieht er im Wolf eine potenzielle Gefahr für seine Tiere. Schon öfter hätten Wölfe versucht, zu seinen Herden zu gelangen. Zum Beispiel, indem sie unter dem Zaun durchkommen wollten. "Wir haben Grabespuren an den Netzen gefunden, über einen halben Meter breit", sagt er. Der Schäfer ist überzeugt, dass der Strom auf den Netzen den Wolf zum Aufgeben gezwungen hat. Die Rückkehr der Wölfe bedeutet für ihn ein Mehr an Arbeit. Seine 90 Zentimeter hohen Elektronetzzäune hat er um 16 Zentimeter erhöht, damit bei Senken im Boden der Zaun auch an diesen Stellen die empfohlene Mindesthöhe erreicht. Rebre achtet darauf, dass der Zaun immer straff gespannt ist. Zusätzlich hat er die Stromspannung erhöht.
Fehler der Menschen machen Wölfe schlau

Für ihn als Berufsschäfer ist es besonders wichtig, dass alle Tierhalter den Herdenschutz ernst nehmen, sagt er. Das gelte auch für die kleinen Betriebe in der Hobbyhaltung. Zu oft treffe er auf Schafe, die völlig ungeschützt den Wölfen ausgeliefert sind. Das ärgert ihn. "Die Unvernunft der Tierhalter und deren Fehler tragen dazu bei, dass Wölfe lernen, leichte Beute zu machen", sagt er. "Blutrünstige Fotos am nächsten Tag in der Presse sorgen dann für aufgebrachte Stimmung gegen den Wolf."
Ende der Weidewirtschaft? "Quatsch"

Auch wenn der Schäfer bislang von Schäden durch den Wolf verschont geblieben ist, schließt er nicht aus, dass es auch ihn irgendwann treffen könnte. Beispielsweise dann, wenn Wölfe gelernt haben Zäune zu überspringen. Er weiß, dass auch er dann um jedes gerissene Tier trauern werde. Deshalb jedoch das Ende der Weidewirtschaft zu beklagen, kommt für ihn nicht in Frage. "Das ist Stimmungsmache und völliger Quatsch", sagt er. "Herdenschutz ist möglich und muss notfalls immer wieder angepasst werden. Dann ist das eben eine Zusatzaufgabe, wie jede neue EU-Verordnung auch". Die Tierhalter hätten die Pflicht dafür zu sorgen, dass es ihren Tieren gut gehe.
Geld vom Land

Finanzielle Unterstützung vom Land Niedersachsen gebe es noch dazu. "Welcher Handwerkszweig bekommt Zuschüsse für Gefahren, die plötzlich aufgetaucht sind?", fragt er. Auch die andauernde Kritik am Wolfsmanagement kann er nicht verstehen. Rebre ist zufrieden mit den Möglichkeiten der Unterstützung. "Die Ursachen der wirtschaftlichen Not und der enormen Arbeitsbelastung der Schäfer sind woanders zu suchen", sagt er. Der Wolf habe damit nichts zu tun.



Schäfer Rebre: Der mit dem Wolf lebt Schäfer Rebre: Der mit dem Wolf lebt Reviewed by Hier Ist Interessant on апреля 16, 2018 Rating: 5
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